Wird meine Rede von einer KI geschrieben?

Am 2. August 2026 trat die Transparenzpflicht der EU-KI-Verordnung in Kraft und plötzlich reden alle über KI-Kennzeichnung. Nun frage ich mich, wie viele meiner Paare, Eltern oder Angehörigen eine Frage mit sich herumtragen, die sie sich kaum auszusprechen trauen: Kommt unsere Rede am Ende aus einem Prompt? Bevor ihr diese Frage stellen müsst, beantworte ich sie gerne:

Nein, eure Traurede kommt nicht aus einem Rechner oder Computer. Und ja, ich nutze KI: im Hintergrund, für Recherche, Organisation und die Auswertung meiner Zahlen. Aber das, worauf es wirklich ankommt, kann kein Programm. Euer Traugespräch, das Trauergespräch, das Zuhören, die Entscheidung, was in die Rede gehört und was nicht. Das macht ein Mensch, der im Raum saß, als ihr erzählt habt.

KI und Freie Redner: die Frage, die sich jeder stellt!

Seit ein paar Monaten steht KI überall: in den Nachrichten, in Werbetexten, in Urlaubsfotos, die keine echten Urlaubsfotos sind. Kein Wunder, dass der Gedanke auch bei der eigenen Hochzeit, der Trauerrede oder dem Familienfest auftaucht. Ihr vertraut einem fremden Menschen die persönlichste Rede eures Lebens an und wollt sicher sein, dass dahinter wirklich ein Mensch steht.

Getraut, mich das direkt zu fragen, hat sich bisher niemand. Vielleicht, weil es unhöflich klingt. Ist es aber nicht. Es ist eine der klügsten Fragen, die ihr stellen könnt. Deshalb beantworte ich sie hier von selbst: offen, nicht ausweichend, und ehrlich genug, dass ihr sie am Ende auch mir stellen könnt.

Wofür ich KI nutze und offen dazu stehe

Ein Werkzeug im Hintergrund, nie die Stimme, die eure Geschichte erzählt.

Ich bin Möglichmacherin, keine blinde Ja-Sagerin, und das gilt auch für meine Werkzeuge. Ich nutze KI da, wo sie mir Arbeit abnimmt, die nichts mit eurer Geschichte zu tun hat:

  • Für Recherche: die Bedeutung eines Rituals, die Herkunft eines Brauchs, ein passendes Zitat, das ich dann prüfe und einordne.
  • Für Struktur und Organisation: Termine, Checklisten, den roten Faden eines Ablaufs, damit am Tag selbst nichts untergeht.
  • Für die Auswertung meiner Zahlen: Anfragen, Website, Reichweite, also der unsichtbare Bürokram, der ein kleines Unternehmen am Laufen hält.

Nichts davon berührt den Kern eurer Rede. Es sind die Handgriffe drumherum, für die sonst Stunden draufgingen und die mir jetzt Zeit für das Wesentliche freiräumen: für euch.

Wofür ich KI niemals nutze!

Hier fängt die eigentliche Arbeit an.

Das Gespräch führe ich. Ich höre euch zu, wenn ihr erzählt, wie ihr euch kennengelernt habt oder was Euren liebsten Verstorbenen ausgemacht hat. Ich merke, an welcher Stelle die Stimme leiser wird und an welcher ihr lachen müsst. Ich erkenne die Muster zwischen den Zeilen, das, was ihr nicht direkt sagt, aber trotzdem meint.

Und ich treffe die Entscheidung, die keine Maschine für euch treffen kann: was in die Rede gehört und was bewusst nicht. Denn ein Programm kann Fakten sammeln. Aber es kann nicht spüren, welcher Satz am Ende die ganze Rede trägt und welche schöne Geschichte an Eurem Tag lieber ungesagt bleibt, weil sie eine Person im Raum verletzen würde. Diese Entscheidungen sind der eigentliche Beruf. Die gebe ich nicht ab.

Der große Unterschied:

Stellt euch das Traugespräch vor. Ihr sitzt mir gegenüber, erzählt von eurem ersten gemeinsamen Urlaub, der beinahe schiefgegangen wäre. Und während sie erzählt, verzieht er ganz kurz das Gesicht, weil er die Geschichte kennt und ganz genau weiß, was gleichkommt. Ihr lacht beide. Das ist der Moment, in dem eure Rede entsteht.

Eine KI hat diesen Blick nicht gesehen. Sie war nicht dabei, als aus zwei Menschen und ein paar Anekdoten ein Bild wurde, das nur ihr beide teilt. Sie kann euch nachahmen, aber sie kann euch nicht meinen. Und genau dieser Unterschied ist es, den eure Gäste hören, auch wenn sie ihn nicht benennen können: ob da jemand über euch spricht oder jemand, der euch kennt.

Ihr hört die Rede erst am Tag selbst und könnt trotzdem prüfen

Woran ihr eine freie Rednerin messen könnt, ohne ein einziges Wort der Rede zu kennen.

Hier kommt der ehrlichste Teil. Ihr bekommt eure Rede nicht zu lesen. Bei mir ist sie eine Überraschung für den Moment, in dem sie zählt. Das heißt: Ihr könnt den Text nicht prüfen. Ihr könnt nicht fragen „Woher stammt dieser Satz?", weil ihr die Sätze noch gar nicht kennt.

Also bleibt euch nur eines, um eine gute Rednerin von einer Baukasten-Lösung zu unterscheiden: der Weg dorthin. Nicht das Produkt, sondern die Begegnung. Und die könnt ihr sehr wohl prüfen.

Fragen, die ihr jeder Rednerin, jedem Redner stellen könnt - auch mir

  • Wie oft und wie lange sprechen wir vor der Zeremonie miteinander?
  • Reicht ein ausgefüllter Fragebogen, oder willst du uns wirklich kennenlernen?
  • Stellst du im Gespräch Rückfragen, oder hakst du nur eine Liste ab?
  • Gibst Du uns danach Rückmeldung, was Du verstanden hast?
  • Nutzt du KI, und wenn ja, wofür genau?

Wenn eine Rednerin oder Redner diese Fragen ruhig und konkret beantworten kann, ist das ein gutes Zeichen. Wenn sie / er ausweicht, ist auch das eine Antwort.

Warnzeichen für eine Rede aus dem Baukasten

  • Austauschbare Superlative, die auf jedes beliebige Paar passen würden.
  • Kein echtes, langes Gespräch, sondern ein Formular als einzige Grundlage.
  • Keine einzige Rückfrage zu dem, was ihr erzählt habt.
  • Eine auffällig schnelle Zusage, noch bevor ihr euch überhaupt kennengelernt habt.

Weil ihr diese Rede niemals gegenlest, entsteht das Vertrauen komplett vorher: im Gespräch, in den Fragen, die ich euch stelle, in der Aufmerksamkeit, die ich euch schenke. Deshalb sind mir eure Prüffragen willkommen.

Eine Rede, die aus echtem Zuhören entsteht, hat nichts zu verbergen.

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